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Home Trachten Volkstracht
Home Trachten Volkstracht

Die Tracht hat sich mit der Zeit immer wieder verändert. Um 1800 hat Joseph Hazzi, General-Landesdirectionsrath, erste brauchbare Aussagen zur Kleidung des Landvolkes getroffen:

Für das Landgericht Moosburg:

"Die Kleidung besteht für den Mann in einem schwarzzwilchenen oder blauen Rock, roter Weste, Beinkleidern von Zwilch - im Sommer meist ohne Strümpfe und Schuhe - die Weibsleute sind in blaue leinene Zeuge gekleidet.

Einen auffallenden Unterschied macht das Ampertal. Das männliche und weibliche Geschlecht ist hier groß und wohlgestaltet; der Mann trägt einen feinen blauen Rock, rote Weste, grüne Hosenträger darüber und einen Gurt (Ranzen), dann schwarzlederne Beinkleider, blaue Strümpfe und Schuh mit Bändern.

Die Weiber haben zwar kurze, aber dick gepolsterte, schwarze Röcke, einen schwarzen Ganges, steifes Mieder und am Hals ist alles eng zusammengezogen, den Kopf bedeckt eine große, schwarze Mütze von Otter. Die jüngeren Mädchen haben blaue Hauben mit Spitzen und eine Art Casquet, worunter ihre Haare in Zöpfe geflochten sind - nebenbei hat jede einen Gürtel von Silber oder Metall um den Leib - auf dem Tanz sieht man bei ihnen schöne weiße Strümpfe und feine weiße Tücher mit Spitzen auf den Kopf."

Die von Hazzi beschriebene Kleidung war sicher das "bessere Gwand" der Hallertau, zur Arbeit wurde eine andere Kleidung getragen.  

 

vt 1805 mann la    vt 1805 frau la                     

Bauer und Bäuerin aus der Gegend von Landshut
um 1805
Bild von Ludwig Neureuther

 


Das Bild der Tracht um 1860:

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörten folgende Kleidungsstücke zur Tracht der Mannsbilder in der Hallertau:

Auf dem Kopf trug er einen schwarzen Filzhut mit Schnur, von der gelegentlich eine Quaste über die breite Krempe baumelte. Das Leinenhemd hatte nur einen Stehkragen oder bestenfalls einen knappen Umlegekragen. Die Frage des Kragens war auch nicht sehr bedeutend, weil einerseits die Weste hoch geschlossen und andererseits immer ein kleiner Schal, ein Schlips, um den Hals geknotet war. Die unentbehrliche Weste war aus Tuch, Samt aber auch aus Seide und vielfach von roter Farbe. Sie ging reichlich übereinander und war doppelreihig mit Silberknöpfen besetzt, am Leib etwa sieben Paare, davon etwas abgesetzt am Halsausschnitt ein weiteres Paar. Bei einem Knopfloch war die Uhrkette eingehängt, die so reichlich war, dass die am anderen Ende hängende Taschenuhr in der Westentasche untergebracht werden konnte. Die Hose war aus Leder. Anstatt des heutigen Hosentürls war sie mit einem Schlag (Klapptürl) verschlossen. Um den Leib war sie reichlich weit geschnitten. Nach unten hin verjüngte sie sich auf den Umfang der Beine, wobei es wegen des Hineinschlüpfens notwendig war, die Seitennaht ca. 15 cm offen zu lassen und diese nachträglich mit einem Band zuzubinden. Die Socken wurden über der Hose im Stiefel getragen. Gehalten wurde die Hose von Hosenträgern, die in der Regel unter der Weste verschwanden. Konnte sich der Bauer auch noch kunstvoll gefertigte Hosenträger leisten, trug er sie sichtbar. In diesem Fall wurde die Weste durch den Brustfleck ersetzt. Der Brustfleck war ein rotes Stück Stoff, das ähnlich dem Aussehen der Weste geschnitten war und nur ein leichtes Rückenteil hatte oder gar nur mit Bändern am Rücken zusammengehalten wurde. 

Zur Festtagskleidung gehörte dann der Rock, im heutigen Sprachgebrauch, der Mantel. Er war vorwiegend aus schwarzem, gelegentlich auch braunem oder grünem Tuch gefertigt und in der Regel eng geschnitten, so dass er vorwiegend offen getragen wurde. Er war doppelreihig mit 6 bis 8 Silberknopfpaaren bestückt (nachgewiesen sind bis zu 24 Knöpfe). Der Kragen war von gleichem Tuche, gelegentlich auch mit einer Samtborte eingefasst. Vom Schnitt her war die Taille sehr kurz, d.h. hoch angesetzt. Der Rücken ließ eine starke Taillierung erkennen. Der Schoß war ab der Taille geschlitzt, wobei der Beginn des Hakenschlitzes meist auch noch mit Silberknöpfen markiert war. Im Schlitz war nicht selten auch noch eine Eingrifftasche versteckt. Auch ein Janker oder der Ganges wurde getragen. Er war kürzer als das heutige Sakko geschnitten aber in der Regel auch mit zwei Reihen Silberknöpfen besetzt.

Bestand an Gwand der Hallertauer Frau:

Die Unterwäsche wie Pumphose und Trägerhemd waren aus Leinen gefertigt. Der Unterrock war reichlich weit geschnitten, teilweise mit Watte und einem anderen Stoff unterlegt und abgesteppt. In dieser Form wärmte er einerseits und zum anderen bildete er für das darüber zu tragende Kleid ein richtiges "Gerüst". Für die Oberbekleidung gab es zwei Varianten: 1. Die Kombination aus Rock und Spenser. Beides bestand zumeist aus dem selben Material. Der Rock war weit geschnitten und reichlich gereiht. Durch den gepolsterten Unterrock verlieh er der Frau weit ausladende Hüften. Der Spenser war am Oberkörper eng anliegend, hatte aber Ärmel, die am Armloch reichlich gereiht im übrigen aber eng anliegend waren. 2. Das Trachtenkleid (Rock und Spenser in einem Stück). Die Machart entsprach den Darstellungen bei Rock und Spenser. Das Material waren gemusterte Seide oder ein bedruckter leichter Wollstoff. Krönender Abschluss der Oberbekleidung war das Mieder. In rot oder schwarz gehalten und eng auf den Oberkörper gearbeitet. Vom Rücken her waren breite Träger angeschnitten, die vorne ziemlich nahe am Arm am ausgesteiften Mieder befestigt waren. Über die Brust bis zur Taille waren beiderseits, sich nach unten verjüngend, fünf oder sechs reichlich verzierte Haken angebracht. Sie waren zur Aufnahme des Geschnürs bestimmt. Mit dem hinum-herum ergab sich der Verschluss des Mieders. War der Ehemann oder Vater der Frau wohlhabend, spendierte er Silbertaler, die am Geschnür getragen wurden. Der Oberstoff des Mieders waren Samt oder Seide. Um den Hals legte die Frau dann das Schultertuch, das vorne in das Mieder gesteckt wurde. Unmittelbar am Hals trug sie eine Hals- oder Kropfkette. Diese bestand aus einer Schließe, von der aus bis zu 14 Kettchen (Gänge) um den Hals führten. Zur Kleidung gehörte auf alle Fälle eine Schürze (Fürta) aus buntgemusterter Seide, nicht selten auch noch durch Rüschen ausgeschmückt. Die Füße bekleideten weiße oder geringelte Wadenstrümpfe, die ledernen zum Teil bis über die Knöckel reichenden schwarzen Schuhe waren geschnürt. Den Kopf bedeckten die hohen bienenkorbförmigen Fellmützen (Otter, aber auch Kaninchen), die Riegelhaube aber auch das Kopftuch (Hintrebindtüchl). Es gehörte zur Ordnung, dass bei der Fellmütze und beim Kopftuch der Haaransatz über der Stirn nicht sichtbar war. Ergänzt wurde diese Kleidung durch eine kleine Jacke, die darüber getragen werden konnte, den Spenser, aus dem selben Material wie das Kleid aber auch aus einem farblich anderen Stoff gearbeitet.

vt 1840          vt 1900_1 vt 1900_2

Isartal 1840
bürgerliche Frauentracht

Bild Rudolf Scheibenzuber                                         

Festtagskleidung in der Hallertau zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Zu dieser Zeit wurde eigentlich diese Tracht nicht mehr getragen, also gehen wir
davon aus, dass in diesem Fall das alte Gwand "noch aufgetragen" wurde.

   

Folgende Kurz-Beschreibung ließ sich zusammentragen: 

Bursch:

Das Gilet aus Seide oder Samt ist zumeist mit 20 Silberknöpfen zu 10, 20 oder 30 Kreuzer je Stück besetzt. Diese Knöpfe wurden aus den aktuellen Zahlungsmitteln angefertigt und stellten einen beträchtlichen Wert dar.

Über dem Gilet wurde als Statussymbol eines Handwerksmeisters oder eines Bauern der „Ranzen" getragen.

Zur knöchellangen Lederhose wurden die „Faltenstiefel" getragen. Die Anzahl der Falten war keine regionale Vorgabe, sondern Ausdruck des Wohlstandes seines Trägers.

An Festtagen und zum Kirchgang wird vom Handwerksmeister, Bauern oder verheirateten Mann der Kirchenrock getragen. Bis 1868 war die Farbwahl des Mantels abhängig vom ausgeübten Beruf. Dem Bauernstand waren abhängig von der Hofgröße die Farben braun, schwarz und blau zugestanden. Auch der Mantel war mit Reihen von Münzknöpfen besetzt. Ab 1850 wurden hier die Münzen durch vom Silberschmied getriebene „Roserl"- oder „Wagenradl-Knöpfen" ersetzt.

Als zusätzliches Statussymbol und Ausdruck des Reichtums wurden auffällige Uhrketten oder Charivari getragen, die man beim Gehen auch hören sollte.

Deandl:

Das Festtags- oder Kirchengwand der Frau war Bestandteil der Mitgift. Das Kirchengwand einer Hallertauer Bäuerin entsprach dem Gegenwert eines Jahresgehaltes einer Magd.

Rock und Schürze waren zumeist aus Seide. Das goldbestickte Mieder wurde ab ca. 1850 durch das einfache schwarze „Münchner Mieder" ersetzt. Das unverheiratete Mädchen trägt ein reich mit Münzen, Amuletten und Medaillen bestücktes Miedergschnür, das den Reichtum der Eltern und eine dementsprechende Mitgift darstellen soll. Es werden aber auch Glücksbringer und Amulette gegen das Böse am Miedergschnür getragen.

Die Art, wie die Schürze gebunden ist, zeigt, ob das Dirndl in festen Händen oder auf der Suche nach einem Bräutigam ist. Ein Schlüsselbund an der Schürze weist das Dirndl als die amtierende Hausfrau aus (bei oftmals bis zu vier Generationen unter einem Dach war dieses Symbol der Haushoheit nicht unwichtig!).

In Städten und Märkten wurde die Riegelhaube getragen. An der Farbe der Riegelhaube konnte man auch den Stand des Dirndls erkennen:
Silber = unverheiratet oder ledige Kindsmutter
Gold = Ehefrau oder Bäuerin
Schwarz = Wittwe

  

Bilder sagen mehr als Worte:

vt_burschnjoppn       vt_gilet
Burschnjoppe ca. 1850/1880
Fundort: Moosburger Dachboden
      Gilet
      geschätzter Zeitraum 1860-1890
      mit 30-Kreuzer-Knöpfen von 1718 - 1732

 

vt_faltenstiefel      vt_ranzen
Faltenstiefel                   Ranzen (1840)   

 

vt-mieder

 

vt-mieder lila 2 vt-mieder lila 1
Mieder mit Goldstickerei                       Mieder in lila  Mieder in lila
vt-mieder grn
grünes Mieder

 

vt_strmpfe1

vt-strmpfe3 vt_strmpfe2
Strümpfe zur Volkstracht Strümpfe Strümpfe

 

vt_riegelhaube
Riegelhaube

 

Diese Grundausstattung an Kleidung war über die gesamte Hallertau verbreitet. Je nach Herkunft und Stand der Personen aber auch je nach Können und Auslegung des Schneiders und der Schneiderin, fiel die Tracht dennoch Ortschaftsweise mit geringen Unterschieden anders aus. Dies tut der Bezeichnung "Hallertauer Tracht" beileibe keinen Abbruch. Meiner Meinung nach: im Gegenteil...

Bleibt die Frage: Was ist anzuziehen, wenn man wieder eine Hallertauer Tracht tragen will. Eine "verordnete" oder genau umrissene Tracht kann es nicht geben. Man ist gut beraten, wenn man sich an den bekannten und beschriebenen oder durch Bildern belegten Trachten orientiert. Jeder muss selbst entscheiden, welche Kleidung früherer Tage aus welcher Gegend und aus welcher Epoche er tragen will.

 

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