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Kastulus-Fest

Am ersten Sonntag im Juli wird in Moosburg traditionell das Kastulusfest gefeiert. Hier wird an die Übertragung der Kastulus-Reliquien von Rom über Pavia nach Moosburg im 8. Jahrhundert erinnert.

Der Überlieferung nach begaben sich im Jahr 827 zwei Mönche aus dem Moosburger Benediktiner-Kloster, Rhenobot und Albin, auf Ersuchen frommer Grafen nach Rom, um sich vom Papst Eugen II. die Reliquien des Heiligen Kastulus zu erbitten. Der Papst erfüllte den Wunsch. Begleitet von einem Maulesel, der auf seinem Rücken ein Kästlein mit den Gebeinen des Heiligen trug, kamen sie in Bayern an.

Neuere Erkenntnisse haben inzwischen allerdings den Zeitpunkt der Überführung vordatiert, vermutlich fand die tatsächliche Überführung bereits zwischen 764 und 772 statt. Nachdem die Weihe des neu erbauten Münsters in Moosburg Anfang des 9. Jahrhunderts stattgefunden hat, könnte die Jahresangabe 827 eher mit dem Weihedatum des Münsters, dessen Namenspatron der Heilige Kastulus wurde, zusammenpassen. 

In Moosburg entwickelte sich bald eine rege Wallfahrt zum Heiligen Kastulus. Pilger aus Nah und Fern strömten herbei und beteten zu dem römischen Heiligen. Dadurch erlebte der Ort im Laufe der Jahrzehnte einen wirtschaftlichen und finanziellen Aufschwung, der schließlich zur Stadtwerdung führte. Handwerker aus der Umgebung kamen und boten auf Märkten ihre Waren an. Viele Gasthäuser mit Brauereien sorgten für das Wohl der Wallfahrer.

Ende des 16. Jahrhunderts wollte der bayerische Herzog Wilhelm V. das Moosburger Stift nach Landshut verlegen. Unterstützt wurde er dabei von Dr. Balthasar König, dem damaligen Pfarrer bei St. Martin in Landshut und Probst des Kollegiatstifts in Isen. Dadurch sollte das Ansehen der niederbayerischen Hauptstadt wieder gehoben, der Gottesdienst an der Hauptkirche St. Martin verbessert und überhaupt das kirchliche Leben im Sinn der katholischen Erneuerung  (Reformationszeit) belebt werden. Trotz des verständlichen Protestes der Moosburger Kanoniker erreichte der Herzog sein Ziel: 1595 erfolgte die päpstliche Genehmigung, 1596-1599 wurde die Verlegung durchgeführt. 1604 wurden dann auch noch die Kastulus-Reliquien zwischen Moosburg und Landshut aufgeteilt, wobei der Großteil der Reliquien nach Landshut überführt wurde, wo sie sich bis heute befinden.

Wider Erwarten entwickelte sich in Landshut keine große Wallfahrt zum Heiligen Kastulus. Und die großen Erwartungen für die Entwicklung des kirchlichen Lebens in Landshut, die an diese Verlegung geknüpft waren, wurden enttäuscht. In Moosburg dagegen war es ein schmerzlicher Verlust, denn die Wallfahrten hörten zwar (seltsamerweise) nicht auf, wurden aber weniger und auch der wirtschaftliche Schaden für die Stadt Moosburg durch die ausbleibenden Wallfahrer war enorm.

Zu den 1000-jährigen Jubiläumsfeierlichkeiten im Jahre 1827 kamen rund 70.000 Pilger aus ganz Bayern nach Moosburg. Auch 1927 zur 1100-Jahr-Feier fanden sich immerhin noch 20.000 Pilger ein.

Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Michael von Faulhaber bewirkte, dass zum Patrozinium im Jahre 1928 ein Teil der Gebeine des Heiligen Kastulus von Landshut nach Moosburg zurück kam.

Im Jahr 2001 fand zum Kastulus-Fest in Moosburg ein deutschlandweites Kastulus-Treffen statt, zu dem sich rund 50 Namensträger einfanden. Am Patronatsfest selbst beteiligten sich rund 2.000 Gläubige.

Kastulus und Moosburg sind auch gegenwärtig im Bewusstsein der Bevölkerung fest verankert.

Die Feier des heutigen Kastulus-Festes am ersten Juli-Sonntag beginnt mit einem feierlichen Hochamt im Kastulus-Münster.  Bei der anschließenden Prozession wird der Schrein mit den Reliquien des Heiligen Kastulus von 4 Kolpingsöhnen, von Ministranten flankiert, durch die Innenstadt getragen. Voran gehen die Ortsvereine mit ihren Fahnenabordnungen, nach dem Schrein folgen die Geistlichen mit der Reliquien-Monstranz, die Ministranten, die Vertreter der Stadt sowie das Kirchenvolk.

Im Anschluss an die Prozession, die mit dem Kastulus-Lied endet, findet am Kastulusplatz (bei schönem Wetter) oder im Pfarrheim das Pfarrfest statt.

 

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