• Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size
Home Brauchtum Oktober
Home Brauchtum Oktober

Erntedank

Für die Bauern steht der Oktober ganz im Zeichen der Ernte. Die Felder werden abgeräumt, die letzten Früchte eingebracht. Die Ernte ist unter anderem vom Wetter abhängig, das wir nicht beeinflussen können. Alles Arbeiten und alle Mühen, Düngung und Schädlingsbekämpfung sind ohne den Segen von oben vergeblich. Der Dank für eine gute Ernte war dem Menschen schon immer ein Anliegen. So brachten die Griechen Demeter, der Göttin des Getreides, zur Erntezeit Opfer dar, die Römer huldigten der Göttin Ceres. Ein Ausdruck des Dankes war es auch, wenn unsere Vorfahren die letzte Garbe nicht mehr in die Scheune brachten, sondern diese auf dem Feld für die "Troadgeister" zurück ließ, was auf einen heidnischen Ursprung der Sitte hindeutet. Auch ein anderer Brauch, der heute bei uns nicht mehr bekannt ist, geht auf vorchristliche Zeit zurück: Zur Erntezeit wurden mancherorts eigene Gebildbrote in Form von Hahn und Henne gebacken. Diese Tiere sind alte Fruchtbarkeitssymbole. Auch in unseren Tagen drücken noch manche Bräuche die Dankbarkeit aus. So werden in den Kirchen am 1. Oktobersonntag zum Erntedankfest Früchte aus Feld und Garten vor den Altar gelegt, von den Mädchen und Frauen werden Ähren zu Erntekronen oder Erntekränzen gebunden. Dazu kommen noch Speisen wie Brot, Butter und Schinken sowie Weintrauben und Wein.  

Das Erntedankfest, das schon von den frühen Christen im 3. Jahrhundert gefeiert wurde, mahnt uns, die wir im Wohlstand leben, für das tägliche Brot zu danken. Auf dem Lande, wo früher bereits die Kinder erfahren konnten, mit wie viel Mühen das Getreide ausgesät, geerntet, gedroschen und gemahlen und das Mehl im eigenen Backhäusl verbacken wurde, brachte man dem Brot immer höchste Achtung entgegen. Es galt als Gottesgabe und wurde hoch geschätzt. Und deshalb wurde vor dem Anschneiden eines neuen Laibes oder Wecken die Unterseite stehts mit dem Messer bekreuzigt. Das Brot galt als Kostbarkeit und kam fast zu jeder Mahlzeit auf den Tisch. Auf keinen Fall durfte Brot verderben. Es wegzuwerfen galt allgemein als Sünde. Hart gewordenes und altes Brot wurde in die Suppe oder in Milch eingebrockt. Selbst Brotkrümel wurden nicht weggeworfen.

Auch in Moosburg wird Erntedank gefeiert. Mit einem feierlichen Hochamt im Kastulusmünster mit Segnung der Erntegaben. Der Volksaltar ist mit Erntefrüchten, Brot und Getreide geschmückt. Nach der Messe wird in einer eucharistischen Prozession die kunstvoll gebundene Erntekrone durch die Straßen der Innenstadt getragen. Fahnenabordnungen, Stadtratsmitglieder, Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung sowie eine große Schar aus den Kindergärten folgen neben liturgischem Dienst der Monstranz mit dem Allerheiligsten, die der Stadtpfarrer unter dem Traghimmel trägt. Die Moosburger Stadtkapelle gestaltet die Prozession gemeinsam mit den Kantoren mit.  Das Fest findet mit einem Weißwurstessen im Pfarrheim einen schönen Ausklang.

 

Hallertauer Fußwallfahrt nach Altötting

Zu Fuß von Wolnzach nach Altötting - seit 1961  pilgern die Wolnzacher am ersten Oktober-Wochenende zu Fuß nach Altötting zur Gnadenmutter.

Bei der ersten Fußwallfahrt 1961 waren es ganze 11 Personen, die sich aufmachten, um zu Fuß nach Altötting zu pilgern.  Ursprung war ein Versprechen, das der damalige Dekanatsjugendführer mit der -führerin und dem damaligen Benefiziat gegeben hatte. Sollte zum Jugendbekenntnistag am 28.5.1961 schönes Wetter sein, wollten sie zum Dank zu Fuß nach Altötting pilgern. Der Regen hat aufgehört! Im Herbst des gleichen Jahres lösten sie ihr Versprechen ein. Mit dabei war auch der Wolnzacher Hans Neumeier. Er hatte als Kriegsteilnehmer in einer für ihn ausweglosen Situation eine Wallfahrt nach Altötting gelobt, wenn er heil aus dieser Gefahr komme. Neumeier nahm sich nun der Weiterführung der Wallfahrt an, wo im folgenden Jahr bereits 51 Pilger teilnahmen. Schon 1964 bei 252 Pilgern teilte er die Wallfahrer in sieben Gruppen ein. Diese Einteilung hat bis heute Bestand.

 Auf ihrem beschwerlichen Weg ziehen die Pilger am Freitag Mittag in Moosburg ein, stärken sich bei einem Mittagessen und nehmen viele Moosburger Wallfahrer ab 14 Uhr auf dem Viehmarktplatz mit auf ihren langen Weg. Die ca. 1.700 Pilger (soviele waren es 2011 bei der 51. Wallfahrt) gehen über Vilsheim, Egglkofen, Neumarkt-St.Veit, Pleiskirchen und Winhöring. Nach 115 Kilometer kommen sie am Erntedank-Sonntag um 12 Uhr am Kapellenplatz in Altötting erschöpft aber glücklich an. Im Anschluss wird in der Basilika ein Empfangsgottesdienst gefeiert.

 

Kirchweih

Das Bauernjahr kennt zu allen Jahreszeiten Feste, die es zu feiern gilt. Im Herbst ist das herausragende Fest die Kirchweih, oder, wie man in Altbayern sagt, der "Kirta". Das Kirchweihfest fällt bei uns einheitlich jedes Jahr auf den 3. Oktobersonntag. Man spricht deshalb von der "Allerweltskirchweih". Bis zum Jahr 1868 feierte jedes bayerische Dorf sein örtliches Kirchweihfest am jeweiligen Jahrestag der Kirchweihe oder am Namensfest des Kirchenpatrons.

"Ich habe ein fürstliches Haus für dich gebaut, eine Wohnstätte für ewige Zeiten. Die Herrlichkeit des Herrn erfüllt den Tempel" (2 Chr. 62). Diese Worte aus dem Alten Testament haben an Kirchweih eine besondere Bedeutung.

Überall wird das Kirchweihfest durch die rotweiße Kirchweihfahne angekündigt, die der Mesner aus dem Kirchturm hängt. Diese Fahne wird Zachäus genannt, an den im Evangelium des Kirchweihsonntags erinnert wird. Zachäus war Oberzöllner und klein von Wuchs. Und weil er Jesus sehen wollte, der des Weges kam, kletterte er auf einen Baum.

Auch wenn sich auf dem Land in den letzten Jahren vieles geändert hat, so freut man sich auf den Kirta. Zur Zeit unserer Großeltern war Kirchweih auf dem Lande ein richtiges Familienfest, es kam die ganze Verwandtschaft zusammen. Deshalb begannen die Vorbereitungen dafür schon Tage vorher. Zunächst mussten die Gänse und Enten geschlachtet werden, die für diesen Tag gemästet worden waren. Am Kirchweihsamstag stand die Bäuerin fast nur in der Küche, um in heißem Fett die beliebten Kirchweihnudeln, die "Auszongnen", herauszubacken, und zwar so viele, dass sie die Speisekammer kaum fassen konnte. Im Chiemgau war es dabei Sitte, dass man die erste Nudel in das Ofenfeuer warf. Sie war für die Armen Seelen bestimmt. Nach dem Gottesdienst am Kirchweihsonntag war es dann so weit: Alles, was in Küche und Keller bereitgehalten wurde, trugen die Bäuerin und die Mägde auf. Und das nicht nur an einem Tag, denn die Kirchweihfreude war nicht auf den Sonntag begrenzt, auch der Kirchweihmontag war früher ein Feiertag. 

A richiger Kirta
dauert bis zum Irta.
Wann se's duad schicka,
a bis zum Migga.

Rund um die Kirche waren die Kirtamärkte mit Ständen und Buden. Kirchweihmärkte hatten früher eine wichtige Funktion: Sie dienten der Deckung des täglichen Bedarfs. Hier gab es alles von den Schuhbändern bis zum Küchengeschirr, vom Kopftuch bis zu den Pantoffeln. Solche Dulten zogen Besucher aus nah und fern an, vor allem natürlich die jungen Leute. Hier konnte man Bekanntschaften schließen. Die Burschen schenkten ihren Mädchen einen "Kirta", ein Lebkuchenherz, ein Wachsstöckl oder ein schönes Tuch.

Die Kirta war vor allem bei den Dienstboten sehr beliebt, konnten sie sich doch an diesen Tagen wieder einmal richtig satt essen, was sonst nicht immer der Fall war. Und außerdem brachte das Kirchweihfest ein paar arbeitsfreie Tage, denn gefeiert wurde auch am Kirchweihmontag und Kirchweihdienstag. Und sie bekamen vom Bauern als Dank für die schwere und harte Erntearbeit den sogenannten Erntegroschen ausbezahlt.

Fast vergessen ist heute ein einst überaus beliebtes Vergnügen, ohne das eine richtige Kirchweih nicht denkbar war: Unter dem Scheunendach oder in der Tenne wurde an Balken mit Ketten die Kirchweihhutschen aufgehängt. Das war ein dickes, breites Brett, auf dem sich die jungen Leute drängten. Auf jedem Ende des Brettes stand ein Bursche und brachte die ganze Gesellschaft in Schwung. Früher gab es in jedem Dorf mindestens eine Kirtahutschn. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war sie weitgehend verschwunden. Heute erinnert man sich wieder an den alten Kirchweihbrauch. 

Nach wie vor beliebt bei der Jugend ist der Kirchweihtanz. Die alten Tänze wie Rheinländer, Dreher, Polka und Walzer, aber auch Figurentänze gehören nun wie früher zur Kirtamusi, ebenso wie die alten bodenständigen Trachten.  

In Moosburg wurde am 21. Oktober 1212 das Kastulusmünster nach einem Brandschaden und 5-jähriger Renovierungszeit neu eingeweiht. Somit fällt die tatsächliche Kirchweih mit dem Termin des vereinheitlichten Kirchweihfestes sehr oft zusammen. Beim 800-jährigen Jubiläum im Jahr 2012 fällt der 21. Oktober, das Weihedatum des Kastulusmünsters, passenderweise genau auf den Kirchweihsonntag.

Im Kastulusmünster wird am Kirchweihsonntag eine feierliche Messe abgehalten.

Auf dem Plan vor dem Kastulusmünster wird jedes Jahr am 21. Oktober der Ursula-Markt abgehalten. Der Ursula-Markt war der Kirchweih-Markt von damals, der bis heute besteht. 

 Bauernregel:
Hängt an Kirchweih das Laub fest am Baum, kommt ein strenger Winter kaum

 

Halloween (???)

Diese Frage taucht immer wieder auf, vor allem, nachdem dieses Gruselfest am letzten Tag im Oktober bei unseren Kindern und Jugendlichen immer mehr Interesse weckt. Ist es nun bayerischer Brauchtum, oder nicht?

Helloween entspringt nicht unserer heimischen Kultur. Es war zwar ein Fest der alten Kelten, mit dem allerdings die heutige Ausführung bei uns nichts gemein hat.

Die keltischen Druiden feierten die Verabschiedung vom Sommer, der Jahreszeit der Göttin, und die Herrschaft des Todesfürsten, Samhain, der während des Winters regiert. Da in dieser Nacht nach keltischem Glauben das Leben (der Sommer) die Herrschaft für ein halbes Jahr an den Tod (den Winter) abgibt, glaubte man, das es ein besonders günstiger Moment wäre, damit sich die Toten unter die Lebenden mischen können. Man glaubte, dass sich die Toten für ein Jahr lang den Körper eines Lebenden suchen. Daher wurden ihnen Opfer gebracht, damit sie nicht den eigenen Körper auswählten.

In Irland wurde dieser Brauch etwas abgewandelt. Die Iren scheuten keine Mühen, die bösen Geister mit aufwendigen, furchterregenden Kostümen zu erschrecken und zu vertreiben. Die Verkleideten zogen von Haus zu Haus und sammelten Naschwerk, die sie den Geistern opferten, um sie zu besänftigen. Die Irischen Einwanderer trugen diesen Brauch dann nach Amerika, wo er seit dem 16. Jahrhundert als Halloween gefeiert und ab dem 19. Jahrhundert populär wurde. Mit dem Brauchtum der Iren haben und hatten wir nichts gemein!

Wir Christen feiern den Sinn dieses Festes, an dem an die Toten gedacht wird, auch. Allerdings Anfang November an Allerheiligen (1. November) und an Allerseelen (2. November).

Es ist erschreckend zu sehen, dass die Halloween-Feiern auch bei uns immer mehr zunehmen. Sie sind amerikanischer Import und haben nichts in unserer bayerischen Kultur zu suchen, zumal unser Fest Allerheiligen und Allerseelen einen sehr ähnlichen Hintergrund hat.  Unseren Kinder und Jugendlichen wurde diese Tatsache und dieses Wissen anscheinend nicht mehr weitergegeben.

 

Design by i-cons.ch / etosha-namibia.ch