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Home Brauchtum Dezember
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Advent

Die 4 Wochen des Advent verstehen sich als Zeit der Vorbereitung und Erwartung und führt hin zum Geburtsfest des Herrn. Die Advents- und Weihnachtszeit ist besonders reich an Bräuchen, die teilweise noch an finstere heidnische Zeiten erinnern. Dieses Nebeneinander von christlichen und heidnischen Elementen ist gerade für den Advent kennzeichnend, der oftmals als "die stille Zeit des Jahres" beschrieben wird. Dem steht freilich der Lärm entgegen, der an Nikolaus sowie in den Raunächten veranstaltet wird, um böse Geister abzuwehren. Die Adventszeit diente dem Fasten, der Stille und der Einkehr. In dieser Zeit durfte nicht getanzt, gefeiert oder gar geheiratet werden. Auch keine Rechtsgeschäfte durften getätigt werden.

Ohne den Adventskranz können wir uns heute die vorweihnachtliche Zeit gar nicht mehr vorstellen. Wir finden ihn überall, gebunden aus Zweigen, umwunden mit roten Bändern. Die 4 Kerzen darauf symbolisieren die 4 Adventsonntage. Aber wer meint, dass es sich um einen sehr alten Brauch handelt, der irrt. Seinen Ursprung hat unser Adventskranz nicht in bayerischen Landen, sondern im evangelischen Norden Deutschlands. Ein Oberkirchenrat ließ bei einer Anstalt für gefährdete Jugendliche in der Vorweihnachtszeit einen Kronleuchter aufhängen, auf dem für jeden Tag des Advents eine Kerze aufgesteckt war. An den Adventsabenden versammelten sich die Waisenkinder und entzündeten jeweils eine weitere Kerze. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Brauch aus dem Hamburger Jugendhaus in abgewandelter Form wieder aufgegriffen. Mit dem Grün des Adventskranzes knüpfte man an einen uralten heidnischen Brauch der Mittwinterzeit an: Mit grünen Zweigen, die in der Stube aufgehängt wurden, wollte man einst Gesundheit, Wachstum und Fruchtbarkeit in Haus, Stall und Feld sichern und böse Geister abhalten. In den katholischen Familien Süddeutschlands konnte sich der norddeutsche Adventskranz erst allmählich durchsetzen. 1937 wurde erstmals in einer katholischen Kirche - in München - ein Adventskranz aufgehängt. Früher stellte man, vor allem in Altbayern, in der Adventszeit das "Paradeisl" auf, eine schlichte Pyramide mit 4 Kerzen. Ihren Grundriss bildeten drei bunte Holzstäbe, an deren Ende jeweils ein rotbackiger Apfel steckte. Gekrönt war das Paradeisl mit einem weiteren Apfel, der mit den anderen Früchten durch Stäbe verbunden war.

Die 24 Tage bis zum Heiligen Abend verkürzt der Adventskalender. Früher wurden in den Familien im Dezember 24 Bilder nach und nach an die Wand gehängt. Eine einfachere Variante waren 24 an die Wand oder Türe gemalte Kreidestriche, von denen die Kinder täglich einen wegwischen durften. Oder es wurden Strohhalme in eine Krippe gelegt, für jeden Tag bis zum Heiligen Abend. Eine weitere Form ist eine mit 24 Kerben versehene Kerze, die jeden Tag bis zur nächsten Markierung abgebrannt werden durfte. Der erste Adventskalender wurde 1908 in München gedruckt. Seine Version enthielt 24 bunte Bildchen, die von den Kindern ausgeschnitten und auf einen weiteren Bogen aufgeklebt werden konnten. Kalender mit Türchen und Naschereien setzten sich erst in den 1950er Jahren durch.

An den ersten 3 Donnerstagen im Advent machten sich in früheren Tagen in Altbayern bei hereinbrechender Dunkelheit die Klöpfler oder Klöckler auf den Weg. Maskiert und vermummt pochten sie an Fenster und Türen und erzeugten mit Glocken einen gewaltigen Lärm. Von den Bauern wurden diese finsteren Gestalten, die nach altem Volksglauben Geister und Dämonen vertreiben sollten, bereits sehnsüchtig erwartet, denn man versprach sich von ihrem Kommen eine gute Ernte und Gesundheit in Haus und Hof. Daher wurden sie auch, wenn sie ihre Glücks- und Segenswünsche ausgesprochen hatten, von der Bäuerin mit allerlei Essbarem beschenkt. Aus diesem Grund war das Klöckeln auch den Armen des Dorfes vorbehalten, die sich auf diese Weise vor Weihnachten etwas mit Lebensmitteln eindecken konnten. Leider wurde der Heischegang der Klöpfler missbraucht, er artete in eine allgemeine Bettelei aus und wurde als Belästigung empfunden. Dieser Brauch wurde deshalb von den Behörden verboten und so geschah es, dass der einstige Heischegang in der Adventszeit weitgehend in Vergessenheit geriet.

In Stadt und Land wird in den vorweihnachtlichen Tagen zu Adventssingen eingeladen, in denen Volksmusikgruppen und Sänger und Sängerinnen mit geistlichen Liedern und Weisen auf die Adventszeit einstimmen. Das Adventssingen ist heute ein fester Bestandteil des weihnachtlichen Brauchtums. Die ruhigen, staaden Weisen und schlichten Gesänge sowie besinnliche Worte wollen dem gehetzten Mensch unserer Tage helfen, sich bei aller Hektik auf das christliche Fest zu besinnen. Wie der Adventskranz, so ist auch das Adventssingen ein recht junger Brauch, der erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bei uns entstanden ist. Dabei wurde feierlich an eine alte Tradition angeknüpft, denn früher traf man sich gerade in den Adventstagen gerne zum gemeinsamen Singen und Musizieren.  

Auch die Weihnachtsbäckerei sei hier nicht vergessen. Das Plätzchen backen entstand erst im 19. Jahrhundert. Zuvor waren Plätzchen und Lebkuchen nur den Reichen vorbehalten, die es sich leisten konnten, bei einem Lebzelter oder Bäcker einzukaufen. 

  

Adolph Kolping am 4. Dezember

Seliger Adolph Kolping
geboren am 8. Dezember 1813 in Kerpen bei Köln
gestorben am 4. Dezember 1865 in Köln

Adolph Kolping war das vierte von fünf Kindern und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Mit 12 Jahren erlernte er das Schuhmacherhandwerk. Kolping war entsetzt von den oft menschenunwürdigen Lebensbedingungen und Lebensweisen der meisten Handwerksgesellen, die er während seiner Wanderschaft kennenlernte. Im Alter von fast 24 Jahren besuchte er das Gymnasium, um danach zu studieren und Priester zu werden. Nach nur dreieinhalb Jahren bestand Kolping das Abitur. Danach studierte er in München und Bonn sowie sowie am Erzbischöflichen Clericalseminar in Köln Theologie. Dass er ohne wirtschaftliche Not studieren konnte, verdankte er im wesentlichen der Tochter des Gutsbesitzers, dessen Schafe sein Vater hütete. Sie hatte in der Sorge um einen ihr nahestehenden Menschen das Gelübde abgelegt, einen Theologiestudenten zu unterstützen. Unterstützung erfuhr Kolping aber auch durch andere Wohltäter.

Am 13. April 1845 wurde er in der Kölner Minoritenkirche zum Priester geweiht und danach in Elberfeld als Kaplan und Religionslehrer eingesetzt. Er traf wieder auf die gleiche soziale Situation wie seinerzeit in Köln als Geselle. 1847 wurde er als Nachfolger des versetzten Kaplans Steenartz zum zweiten Präses des 1846 gegründeten katholischen Gesellenvereins gewählt, der seinen Mitgliedern insbesondere in den Wanderjahren fern von zu Hause soziale Unterstützung, Bildung, Geselligkeit und einen religiösen Halt gab. Kolping erkannte die Bedeutung des Gesellenvereins und war bestrebt, die Idee über Elberfeld hinauszutragen, was nach seiner Überzeugung jedoch nur von einer größeren Stadt aus möglich war. Er bat deshalb den Erzbischof um eine Stelle in Köln. 1849 kehrte Kolping als Domvikar zurück nach Köln und gründete dort mit sieben Gesellen den Kölner Gesellenverein. Am 1. Januar 1850 hatte der Verein bereits 550 Mitglieder. Wie in Köln entstanden schnell auch in anderen Städten Gesellenvereine. Bis zu Kolpings Tod im Jahr 1865 waren es 418 mit 24.000 Mitgliedern. Im Herbst 1850 schloss Kolping die Vereine Elberfeld, Köln und Düsseldorf zum „Rheinischen Gesellenbund“ zusammen, der sich ab 1851 „Katholischer Gesellenverein“ nannte, um über die rheinischen Grenzen hinaus offen zu sein. Dieser Zusammenschluss war die Keimzelle des heutigen internationalen Kolpingwerkes. Der Verein sollte den wandernden Gesellen einen ähnlichen Halt geben, wie ihn nach Kolpings Überzeugung nur die Familie bietet. Die Gesellenhäuser waren nicht nur wohnliche Herberge, sondern auch Schule, die es den jungen Handwerkern ermöglichte, sich religiös, politisch und fachlich zu bilden. Außerdem sollten sie Gelegenheit zur Geselligkeit geben. 

Von Jugend an trafen Kolping schwere Krankheiten. Er starb 4 Tage vor Vollendung des 52. Lebensjahres im Gesellenhaus an der Breiten Straße in Köln. Seit 1862 war Kolping Rektor der Minoritenkirche in Köln, in der er entsprechend seinem Wunsch am 30. April 1866 beigesetzt wurde. Zunächst war er auf dem Melatenfriedhof beerdigt.

Am 27. Oktober 1991 wurde Kolping von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Die römisch-katholische Kirche feiert den Gedenktag Adolph Kolpings am 4. Dezember. Papst Johannes Paul II. besuchte 1980 die Minoritenkirche zu Köln. Am Grabe Kolpings betete er und formulierte den Satz: „Solche Leitbilder wie Adolph Kolping brauchen wir für die Kirche von heute.“

Auch in Moosburg wurde bereits 1854 ein Gesellenverein gegründet, der allerdings aus unbekannten Gründen 1856 bereits wieder eingestellt wurde. Nach dem großen Standbrand 1865 schlossen sich die ersten Gesellen in einer vereinsähnlichen Struktur zusammen, das dann 1868 zur erneuten Vereinsgründung führte. Die Moosburger Kolpingfamilie gedenkt auch heute noch jedes Jahr mit einer Messe dem Todestag des Vater Kolping.

  

Heilige Barbara am 4. Dezember

Über das Leben der Heiligen Barbara gibt es keine gesicherten Informationen. Deshalb entstanden viele Legenden um das junge Mädchen, das im 3. Jahrhundert in Nikomedien (in der heutigen Türkei) lebte. Barbara war wegen ihrer Schönheit und Klugheit weithin bekannt und begehrt. Als sie die Heiratspläne des Vaters durchkreuzte, zog sie sich seinen Zorn zu, und das umso mehr, als sie der jungen Christengemeinde beitrat. In seiner Wut sperrte er sie in einen Turm ein, wo sie auf wunderbare Weise durch die Eucharistie gestärkt worden sein soll. Auf Darstellungen ist sie deshalb immer mit einem Turm und mit einer Hostie abgebildet. Als auch die Kerkerhaft nichts erreichen konnte, lieferte sie ihr Vater dem Gericht aus, das Barbara nach grausamer Marterung zum Tode verurteilte. Nach der Legende soll sich aber ein Berg aufgetan haben, der die Standhafte ihren Verfolgern entzog. Beim zweiten Versuch wurde sie im Jahre 306 mit einem Schwert getötet.

Von den vielen Legenden, die sich um das Leben der tapferen Barbara ranken, leiten sich auch viele Patronate ab. So wird Barbara von den Bergleuten, den Feuerwehrleuten, Glöcknern, Schmieden und Artilleristen verehrt. Darüber hinaus soll sie vor Feuer, Pest und schweren Gewittern schützen und in der Sterbestunde helfen. Die große Verehrung der Heiligen zeigt auch ihre Aufnahme in den Kreis der 14 Nothelfer. Die heilige Barbara zählt zusammen mit der heiligen Katharina und der heiligen Margarete zu der Gruppe jener Jungfrauen, die von jeher besonders verehrt wurden. Im Volksmund heißt es von ihnen: 

Margarete mit dem Wurm,
Barbara mit dem Turm,
Katl mit'm Radl
das sind die drei heilgen Madl.

Weit verbreitet ist der Brauch, am Barbaratag Zweige in das Zimmer zu holen und in einen Krug mit Wasser zu stellen. Dafür eignen sich vor allem Kirsch-, Zwetschgen- oder Forsythienzweige, die bis Weihnachten blühen sollen. Beim Schneiden der Zweige galt es früher, einige Regeln zu beachten: Geschnitten werden sollte in der Nacht vor dem Barbaratag vor Sonnenaufgang und dabei durfte nicht gesprochen werden.  Man glaubte, Gesundheit, Krankheit oder Tod vom Aufblühen oder Verdorren der Barbarazweige ablesen zu können. So wurde der Barbaratag zu einem wichtigen Lostag.

 

Heiliger Nikolaus am 6. Dezember

Die Gestalt des heiligen Nikolaus ist historisch kaum fassbar. Gerade deshalb konnten sich zahlreiche Legenden um sein Leben bilden. Nikolaus, geboren um 300, wirkte als Bischof in der Stadt Myra, der Hauptstadt der römischen Provinz Lykien in Kleinasien. Es war die Zeit, als die Christen schlimmsten Verfolgungen ausgesetzt waren. Auch Nikolaus wurde eingekerkert und schwer misshandelt. Er starb um das Jahr 350. Durch Kreuzfahrer und Pilger, die auch nach Myra kamen, gelangte die Nikolausverehrung in das Abendland. Zum Volksheiligen bei uns wurde er, als italienische Kaufleute seine Gebeine im Jahre 1087 in einem Raubzug von Myra in die Hafenstadt Bari überführten, wo sie noch heute in einem Marmorgrab in der Krypta der romanischen Basilika S. Nicola ruhen.

Vielerorts, etwa in Rosenheim und München, wurden zum Nikolaustag Märkte abgehalten. In der bayerischen Landeshauptstadt war ein derartiger Nikolausmarkt auch der Vorläufer des heutigen Christkindlmarktes.

Der Legende nach tat sich der Heilige durch besonders große Freigebigkeit gegenüber den Armen hervor. Als einmal in seinem Land eine große Hungersnot herrschte, beschaffte er selbst Getreide, ließ Brot backen und brachte es den Armen. Das erklärte auch, dass ihn die Bäcker zu ihrem Berufspatron erwählten. Nach einem inzwischen fast vergessenen Brauch stellten sie zum 6. Dezember Nikolausgebildbrote her. Viele Abbildungen zeigen Sankt Nikolaus stehend in einem Schiff. Diese Darstellungen gehen auf die Legende zurück, dass er für die Armen Getreide beschaffte, das Schiffe geladen hatten. Auf seine dringlichen Bitten ließ der Kapitän einen Teil des Getreides für die Not leidende Bevölkerung von Myra entladen. Wegen dieser Begebenheit erwählten ihn die Schiffsleute zu ihrem Patron. Es gibt wohl kaum einen Heiligen, der eine ähnlich lange Liste an Patronaten aufweisen kann wie der heilige Nikolaus. Neben den Kindern und Schülern, Bäckern, Schiffsleuten und Flößern erwählten den Heiligen, der auch zur Schar der 14 Nothelfer gezählt wird, die Gefangenen, die Armen und Kranken, die Reisenden und Pilger, die Getreidehändler und Kaufleute, die Apotheker und Richter zu ihrem Schutzpatron. 

Von den Kindern teils mit recht gemischen Gefühlen erwartet, begibt sich der heilige Nikolaus an seinem Namensfest nach Einbruch der Dunkelheit auf seinen Rundgang. Dieser Brauch, dass der Heilige die Kinder besucht, geht auf mittelalterliche Bischofsspiele zu Ehren des Heiligen zurück. Dabei wählten Klosterschüler einen Mitschüler zum Bischof und zogen bettelnd durch die Straßen. In dem verkleideten Bischof sah man den heiligen Nikolaus, den Patron der Kinder. Wenn der Nikolaus zu den Kindern kommt, ist er wie ein Bischof gekleidet. Aus seinem großen goldenen Buch liest er Gutes und Böses vor, lobt und ermahnt die Kinder. Nach dieser unverzichtbaren Vorrede holt er aus seinem Sack Äpfel, Nüsse, Lebkuchen und Süßigkeiten für die Kleinen. Dort, wo er nicht persönlich erscheint, füllt er Schüsseln, Teller, Säckchen oder die Schuhe, die vor die Tür gestellt werden.

Früher war es bei uns Brauch, dass der Nikolaus die Weihnachtsgeschenke brachte, wobei man natürlich an kleine, bescheidene Gaben denken muss. In Altbayern und Schwaben z. B. wurden die Kinder noch im 19. Jahrhundert nicht zu Weihnachten, sondern am Nikolaustag mit Gaben beschenkt.

Nach altem Brauch kommt der heilige Nikolaus, wenn er die Kinder besucht, nicht allein. Die Begleiter scheinen aber gar nicht zu der Heiligkeit dieses Mannes der Kirche zu passen. Knecht Ruprecht oder auch Krampus genannt. Bei diesen recht finsteren und unheimlichen Gesellen handelt es sich um Schreckgestalten, die an heidnische Zeiten erinnern, als sich die Menschen noch vor bösen Mächten ängstigten. Um ihre Schrecklichkeit zu unterstreichen, schwingen die Furcht erregenden Nikolausgefährten eine Rute, mit der sie sich bei den Kindern noch zusätzlichen Respekt verschaffen. Ganz im Gegensatz zum heiligen Nikolaus verkörpern sie das Böse und Finstere. Hat der Nikolaus ein Haus erreicht, so verschaffen sich seine Begleiter sogleich überaus lautstark Einlass in die Stube, wo die Kinder mit der ganzen Familie voller Herzklopfen auf ihr Kommen warten. Die lärmenden Begleiter des heiligen Nikolaus sollten nach alter Vorstellung mit ihrem wilden Toben böse Geister von Haus und Hof fern halten und so Gesundheit und Wachstum sicherstellen.  

Bauernregel:
Regnets an St. Nikolaus, wird der Winter streng und kraus.  

 

Raunächte

Nach dem festen Glauben unserer Vorfahren standen die Nächte am Ende eines alten und am Beginn eines neuen Jahres unter dem verstärkten Einfluss böser Mächte und Gewalten. Es handelt sich dabei um zwölf Nächte, nämlich zwischen der Christnacht und der Nacht vor dem Dreikönigsfest. In diesen zwölf Nächten, die geheimnisvollste Zeit des Jahres, tobte das Geisterheer über das Land.

Diese zwölf Nächte heißen im Volksmund "Rau- oder Rauchnächte". Die Bezeichnung "Rauchnächte" erinnert daran, dass man dem üblen Treiben der bösen Geister dadurch Einhalt gebieten wollte, dass in der Christnacht, in der Silvester- und Dreikönigsnacht die Wohnräume, aber auch die Ställe mit Weihrauch ausgeräuchert wurden. Dieser Brauch hat sich bis heute erhalten.

Seit alters gelten die zwölf Raunächte nach dem Volksglauben auch als Losnächte, in denen sich Glück oder Unglück im kommenden Jahr durch das Los bestimmen lässt. 

 

Heiliger Abend

Ab dem 3. Jahrhundert gedachten die Christen in Rom mit einer Feier, die sie auf den 6. Januar legten, der Geburt Christi. Am 25. Dezember fanden zu dieser Zeit Lichtfeste statt. Ursache dafür war die Wintersonnenwende. Im Volksglauben gewann die Sonne gegenüber den dunklen Mächten, die zu dieser Zeit besonders aktiv waren, an Kraft. Um den abergläubischen Kulten zu begegnen, legte die Kirche das christliche Geburtsfest auf den 25. Dezember. Der Tag der Wintersonnenwende wurde in das in Christus angebrochene Weltenlicht, das wahre Licht, umgedeutet. 

Heute verbreiten die Erwachsenen meist bis zum letzten Tag vor dem Fest Hektik und Geschäftigkeit, es darf ja nichts vergessen werden. Um wie viel ruhiger, aber auch einfacher verlief da der Weihnachtsabend noch vor Jahrzehnten. Auf einem Bauernhof herrschte am Heiligen Abend totale Ruhe, erlaubt waren lediglich die vordringlichsten Arbeiten im Stall. Alle in der Familie waren gerüstet für die Feier des Christfestes. Die Bescherung hielt sich in einem recht bescheidenen Rahmen. Ganz im Gegensatz zu heute wurden nur Kleinigkeiten geschenkt, vor allem etwas zum Anziehen. Man beschränkte sich auf kleine Aufmerksamkeiten. Im Gegensatz zu heute war der Heilige Abend bis nach der Christmette ein strenger Fast- und Abstinenztag, an dem man sich nur einmal an einer einfachen Suppe satt essen durfte. Zur Bescherung gab es nur das selbst gebackene Kletzenbrot aus Roggenmehl und gedörrten Birnen. Dazu las meist der Vater aus der Heiligen Schrift vor. Vor Mitternacht machte man sich auf den Weg zur Christmette. Nach altem Brauch blieb aber immer ein Erwachsener, meister der Großvater, daheim und hütete das Haus. Nach der Rückkehr von der Christmette versammelte sich die ganze Familie zu einem für unsere Vorstellungen äußerst üppigen nächtlichen Mahl, das bis zum frühen Morgen dauern konnte. Auf den Tisch kamen eine fette Brühsuppe, Leber- und Blutwürste und gesottenes Schweinefleisch. Das alles verdankte man dem "Weihnachter". Das war die schwere Mettensau, die eigens für die Festtage gemästet wurde. Sie wurde schon einige Tage vor dem Heiligen Abend geschlachtet - wenn sie nicht dem Bauern heimlich aus dem Stall geholt wurde.

In der Heiligen Nacht, eine Zeit in den zwölf Raunächten, mussten vor der Bescherung noch Haus und Stall ausgeräuchert werden, um alles Unglück fern zu halten. In einer Pfanne wurde glühende Holzkohle, auf die man Weihrauchkörner legte, durch alle Räume getragen, um die bösen Geister zu vertreiben, die Menschen und Tiere bedrohten. Ein weiterer heidnischer Aberglaube war: Um Unglück für das Haus im kommenden Jahr fern zu halten, durften in der Heiligen Nacht keine Wäschestücke im Freien auf der Leine sein.

Außerdem pflegte man in der Heiligen Nacht den uralten Brauch des "Christkindl-Anschießens". Am Abend ging eine Schießerei los aus Schrotflinten, Faustrohren, Stutzen, Büchsen und Zwillingsflinten. Von allen Höfen, Einöden und Häusln krachte es in die Winternacht. Was das bedeutet? Es war die Begrüßung Jesu. Hinter diesem Brauch steht das ehrfürchtige Niederknien, die demütige Verneigung vor dem Herrn der Welt. Ein Ausdruck des Glaubens. Das Böllerschießen wird nachweislich seit dem 14. Jahrhundert ausgeübt. Die ersten Hinweise auf das Weihnachtsschießen gehen auf das Jahr 1666 zurück. Leider hat man mit dieser Begrüßung des Erlösers irgendwann aufgehört. Heute gibt es das Silvesterschießen, allerdings mit dem Unterschied, dass es sieben Tage später stattfindet und dass kein Glaube mehr dabei ist.

Viele Menschen halten sich an den alten Brauch, ein "Kripperl" aufzustellen. Unsere Weihnachtskrippe hat ihren Ursprung bereits in der Frühzeit des Christentums. So entstanden schon im 4. Jahrhundert in Rom erste Bilder von der Geburt Christi. Eine wichtige Station in der Entwicklungsgeschichte der Krippe waren spätgotische Krippenaltäre, deren Flügel geöffnet und geschlossen werden konnten. Einen wesentlichen Beitrag zum Entstehen der Krippe leisteten seit dem 14. Jahrhundert Frauenklöster mit dem Brauch des "Kindleinwiegens". Dabei wurden von den Nonnen gewickelte (gefatschte) Christkindlfiguren, zumeist aus Wachs, verehrt. Erst am Ende des 16. Jahrhunderts kam es zu Krippendarstellungen im heutigen Sinn. In Bayern war die Wittelsbacher Erzherzogin Maria, die Tochter von Herzog Albrecht V., eine begeisterte Verehrerin der Weihnachtskrippe. Eine der ersten großen Krippen stellten die Jesuiten im Jahre 1553 in einer Prager Kirche auf. Gut 50 Jahre später wird erstmals von einer Krippe in der Münchner Michaelskirche berichtet. Während des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1627 entstand in der Klosterkirche auf der Fraueninsel im Chiemsee eine Krippe. Diese wertvolle Krippe hat, wie die meisten Jesuitenkrippen, die Wirren der Zeit nicht überstanden und ist spurlos verschwunden. Mit barocker Ausdrucksfreude und Überschwänglichkeit wurden ab der Mitte des 17. Jahrhunderts wahre Meisterwerke der Volkskunst geschaffen. Die Figuren wurden mit wertvollem Brokat begleidet, so wie es die großen und kleinen Künstler von den Fürstenhöfen her kannten. Wenn heute Hauskrippen aus dieser Zeit überhaupt noch erhalten sind, so ist dies eigentlich einem Verbot zu verdanken, denn Ende des 18. Jahrhunderts wurde im Zuge der Aufklärung (Säkularisation) das öffentliche Aufstellen einer Krippe von staatlicher Seite verboten. Diese Verbote führten aber dazu, dass die Krippen fortan in Bürgerhäusern und später in Bauernhäusern aufgestellt wurden. König Ludwig I., der viele in der Aufklärung geschlossene Klöster wieder einrichtete, gab schließlich der Krippe auch in den Kirchen ihren einstigen Platz zurück. Die in den Kirchen aufgebauten Krippen waren für das Volk Vorbilder, um auch zu Hause das Geschehen von Bethlehem in Szene zu setzen. 

Im Christbaum (in außerbayerischen Gebieten spricht man vom Weihnachtsbaum), dem Symbol des deutschen Weihnachtsfestes, begegnen wir einem verhältnismäßig jungen Brauch. Er ist Mittelpunkt des Weihnachtszimmers, behängt mit Kugeln und Lametta oder Strohsternen, Äpfeln und Wachsmodeln und besteckt mit vielen Lichtern. Aus der Heimeligkeit der Wohnung hat man den Christbaum in den letzten Jahrzehnten hinausgetragen auf die Straßen und Plätze, in die Kaufhäuser und Betriebe. Überall schafft er freudige Stimmung. Seine Entstehungsgeschichte: Am Anfang stand wohl die Sitte, besonders zur Zeit der Wintersonnenwende, einen grünen Baum oder auch nur einen Zweig ins Haus zu holen. Damit wollte man in der Zeit totaler Wachstumsruhe an das zu erwartende neue Leben erinnern. Dieser Brauch, der allem Anschein nach besonders im Elsass weit verbreitet gewesen sein muss, wird erstmals im Jahr 1494 erwähnt. Von geschmückten Bäumen erfahren wir erstmals aus einem Reisetagebuch aus dem Jahre 1605: "Auf Weihnachten richtet man Dannenbäume zu Straßburg in den Stuben auf, daran henket man Rosen, aus vielfarbigem Papier geschnitten, Äpfel, Oblaten, Zischgold, Zucker usw." An kleine, kerzenbesteckte Buchsbäumchen kann man sich erinnern, die am Hannoveraner Hof um 1660 aufgestellt wurden. In Bayern war es Königin Therese, die Gemahlin von König Ludwig I., die 1830 erstmals einen Lichterbaum in die Münchner Residenz bringen ließ. Dasselbe wird von Königin Karoline, der Gemahlin von Maximilian I. berichtet. Das königliche Vorbild ahmten die Adeligen nach, so dass der Christbaum in der Biedermeierzeit zu einem festen Bestandteil des Weihnachtsfestes wurde. Bald fanden auch einfache Bürger am Christbaum Gefallen. Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 lernten ihn bayerische Soldaten auch bei den anderen deutschen Truppen kennen und brachten ihn in ihre Heimat mit. Seit dieser Zeit wurde der Christbaum auch bei uns mehr und mehr heimisch, vor allem in den Städten. Auf dem Lande stand man dem Brauch, dem "protestantischen Zeug" aus dem Norden noch lange ablehnend gegenüber. Erst allmählich konnte er das altgewohnte Paradeisl verdrängen. Der Zeitgeist ist auch am Christbaumschmuck nicht spurlos vorbeigegangen. So behängte man anfangs den grünen Baum wie im Elsass mit Papierrosen und Äpfeln, mit Back- und Zuckerwerk. Bis ins 19. Jahrhundert schmückte man ihn mit Marzipan, Lebkuchen, Äpfeln, Rosinen und Feigen. Um 1880 fand man am Glasschmuck, ab 1890 am Lamette Gefallen. In jüngster Zeit wendet man sich wieder mehr vom industriell hergestellten Christbaumschmuck ab und freut sich an "natürlichem" Dekor, wie Wachsmodeln, Strohsternen und Holzschmuck. 

Ach ja, und dann gibt es seit neuestem ja noch den Weihnachtsmann. Diese Gestalt im roten Mantel mit weißem Bart  samt Schlitten und Rentieren entstand in Form einer Werbefigur für Coca-Cola. Dieser amerikanische Weihnachtsmann fasste nun tatsächlich auch in Deutschland Fuß und ist der Überbringer der Geschenke. So meinen zumindest viele. Ist der wahren Hintergrund des Weihnachtsfestes - nämlich die Geburt Christi - vielleicht etwas in Vergessenheit geraten und sind vielleicht für viele nur noch die Geschenke wichtig? Also zumindest in Bayern kommt nach wie vor der Heilige Nikolaus mit Geschenken und am Heiligen Abend kommt das Christkind und nicht der Weihnachtsmann.

In Moosburg beginnt die Christmette am Heiligen Abend mit der Matutin, der nächtlichen Gebetswache. Dann wird das Christkind am Altar der Heiligen Familie "abgeholt" und in die bis dahin leere Krippe gelegt. Psalmen und Lesungen setzen die Matutin fort. Bei der feierlichen Weihnachtspredigt wird allen klar: "Heute ist uns der Retter geboren". Zum Abschluss singen alle zusammen "Stille Nacht, Heilige Nacht" und die Christmette klingt im Anschluss mit Glühwein und Waffeln, die am Kastulusplatz verkauft werden, aus.  


Bauernregeln:

Weihnachten im Klee, Ostern im Schnee

Wer sein Holz nach Weihnacht fällt, dessen Gebäude zehnfach hält.

 

Silvester

Der heilige Silvester starb am 31. Dezember 335 als 34. Papst der Kirchengeschichte. Gefördert durch Kaiser Konstantin I., den er nach der Legende getauft haben soll, erbaute er die erste Peterskirche in Rom.

Mit dem Namensfest des heiligen Silvester geht nach unserem Kalender das Jahr zu Ende. Es ist reiner Zufall, dass gerade diesem Heiligen der letzte Kalendertag zugefallen ist. Die zahlreichen Bräuche an diesem Tag stehen daher in keinerlei Bezug zu seiner Person, sondern kreisen um das Ereignis der Jahreswende.

Julius Cäsar legte bei der Julianischen Kalenderreform den 31. Dezember als Jahresende fest. Bis dahin galt der 1. März als Jahresanfang. Es dauerte allerdings noch einige Jahrhunderte, bis sich der Termin einheitlich durchsetzte. Erst mit der Einführung des gregorianischen Kalenders im Jahre 1582, bei der Papst Gregor die Länge des Kalenderjahres der des Sonnenjahres anpasste, setzte sich allmählich der 1. Januar durch, vollständig jedoch erst unter Papst Innocenz XI. gegen Ende des 17. Jahrhunderts.

Die Silvesternacht ist eine der großen Losnächte des Jahres, in der man bis heute glaubt, den Zukunftsschleier etwas lüften zu können. Ein Musterbeispiel ist das beliebte Bleigießen. In lustiger Gesellschaft bringt man zu mitternächtlicher Stunde über einer Kerzenflamme Blei zum Schmelzen und schüttet es danach in kaltes Wasser. Aus den sich bildenden Formen der Bleimasse versucht man mit viel Phantasie Figuren zu erkennen und deutet sie als Hinweis darauf, was das neue Jahr bringen wird.

Wie die Heilige Nacht zählt auch die Silvesternacht zu den großen Raunächten. Es werden wie am Heiligen Abend das Wohnhaus, der Stall und die Scheune ausgeräuchert, um so nicht wohlgesonnene Geister fern zu halten.

Nach altem Brauch wird am frühen Abend bei Gottesdiensten der Jahresschluss gefeiert. Anschließend trifft man sich im Familien- oder Freundeskreis zu einem gemeinsamen festlichen Essen. In Gasthäusern werden Silvesterfeiern mit Tanz veranstaltet. Um 24 Uhr, nach dem letzten Glockenschlag, prostet man sich zu und wünscht sich ein gutes neues Jahr. Festliches Geläute verkündet den Anfang eines neuen Jahres: Die Glocken läuten das neue Jahr ein. Übertönt werden sie von zahllosen Leuchtraketen, Knallfröschen und Krachern, die in Stadt und Land in den Himmel gejagt werden, nicht zuletzt, um die bösen Geister zu vertreiben. Viel besinnlicher ist es allerdings, wenn von Türmen oder auf öffentlichen Plätzen Bläser mit feierlichen Weisen den Beginn des neuen Zeitabschnittes verkünden.

Bauernregel:
Wind in der Silvesternacht, hat nie Wein und Brot gebracht.

 

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